Archiv für die Kategorie 'Unterwegs'

Mrz 10 2010

Madeira Mosaik: Leben auf der Klippe

Abgelegt unter Unterwegs, Wein

Schwindelerregend: Terrassenfelder, Steilklippen, Autofahren. Madeira ist eine einzige Berg-und-Tal-Tour.

IMG 3082Nur was für Schwindelfreie: 580 Meter ragt der Felsen am Cabo Girão in den Himmel. Das ist Europarekord und die zweithöchste Klippe auf der ganzen Welt. Man soll sich über das Geländer beugen, um die Klippenschönheit in voller Größe zu bestaunen. Steht im Reiseführer. Kameras kennen keine Höhenangst, oder? Ein cooles Beweisfoto muss schon sein.

Platznot treibt die Madirenser in die Höhe. Auf schmalen Terrassenfeldern bewirtschaften sie jedes noch so kleine Fleckchen Boden. Oft so steil, dass sie sich mit einem Seil rauf und runter ziehen. Das Klima ist mild, die Erde fruchtbar und fast schwarz. Perfekte Bedingungen für Bananen, Süßkartoffeln und Wein.

Der Osten Madeiras gibt sich karg. Flach, keineswegs. Senkrecht stürzen die Felswände auf der Halbinsel São Laurenco ins Meer. Wenn dazu der Wind um die Spitze pfeift, gleicht der schmale, ausgesetzte Wanderpfad zum Kap fast einer Mutprobe.

Wie das Autofahren. Genauer gesagt: Autobeifahren. Die Straßen ziehen sich steil und kurvig über die Insel. Ganz normal in den Bergen. Eigentlich. Auf Madeira definiert man Gefälle mit einem besonderen Insel-Maßstab. Hier erreichen die Gassen eine gefühlte Steigung von 60 Prozent. Mindestens. Ich würde das gern beweisen. Doch bei derlei Abfahrten kralle ich beide Hände in den Beifahrersitz – mit geschlossen Augen. Fotografieren unmöglich.

Bisher im Madeira Mosaik:

Ankunft an der Fenchelbucht

Schwarz gefischt

Ganz schön spießig

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Mrz 08 2010

Madeira Mosaik: Ganz schön spießig

Abgelegt unter Unterwegs, Wein

Rindfleisch auf einen Lorbeerast stecken und ab auf die Glut damit. Dazu das typische Fladenbrot Bolo de caco mit Knoblauch bestreichen – fertig ist das Grillvergnügen auf Madeira.

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Gegen diese Spieße erscheinen unsere Schaschliks wie Fleischfasern auf einem Zahnstocher. Espetada heißt das Riesenteil auf Madeira. Das sind Rindfleischstücke so groß wie eine Faust, aufgespießt auf einen Ast vom Lorbeerbaum. Unter 1,50 m geht gar nichts. Und: Grillen ist, auch hier, eine ernste Angelegenheit unter Männern. Das rohe Fleisch wird gesalzen und mit Knoblauch eingerieben. Fertig. Durch das langsame Garen über dem Holzkohlgrill zieht das Lorbeeraroma ins Fleisch – einfach lecker. Dazu schmeckt am besten ein Bolo de caco, das typische Fladenbrot. Mit Knoblauchbutter natürlich. Die Madirenser sind so verrückt nach Espetada, dass inzwischen die Lorbeerwälder unter Naturschutz stehen. Manch einer fädelt das Fleisch deshalb auf Metallspieße und schmeisst ein paar Lorbeerblätter in die Glut fürs Aroma. Im Restaurant hängen die Espetadas direkt am Tisch an einem Gestell und jeder zieht sich seine Brocken herunter. Für “Fleischfresser” ist das ein pures Vergnügen. Einzige Nebenwirkung bei diesem Grillfest verursacht der Knoblauch: drei Tage Mundgeruch wie ein Mammut.

Bisher im Madeira Mosaik:

Ankunft an der Fenchelbucht

Schwarz gefischt

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Mrz 05 2010

Madeira Mosaik: schwarz gefischt

Abgelegt unter Unterwegs, Wein

Espada gehört dazu. Überall auf Madeira. Seit Jahrhunderten leben die Fischer in Camara do Lobos vom Degenfischfang. Nur in der Nacht fangen sie den Tiefseeräuber – mit kilometerlangen Leinen und neuerdings mit GPS. Sein saftiges weißes Fleisch schmeckt köstlich mit Banane und Maracuja.

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Mrz 03 2010

Madeira Mosaik: Ankunft an der Fenchelbucht

Abgelegt unter Unterwegs, Wein

Rentnerparadies – na und? Ein Grund für Langeweile ist das noch lange nicht. Atemberaubende Bergpfade, romantische Gärten oder schroffe Steilküsten offenbaren Madeiras Reize. Müsste man Portugals Außenposten im Atlantik als Wein beschreiben, dann so: vielschichtig, komplex und farbintensiv. Eine Insel wechselt ihr Image.
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Feb 22 2010

Zurück von Madeira

Abgelegt unter Unterwegs, Wein

Kriege oder Katastrophen flimmern beinahe jeden Tag über den Bildschirm. Doch sie sind weit weg. Weil es nicht unsere eigenen sind.

Wie schnell sich das ändern kann, wurde mir gestern klar. Unwetter auf Madeira, mindestens 40 Tote soll es geben. Die Bilder schockierten mich: Funchal gleicht einer Schlammwüste. Straßen, Brücken, Bäume – weggerissen durch die Wucht des Wassers. Straßen, in denen wir noch vor einer Woche Karneval feierten. Straßen, die wir in den letzten zwei Wochen täglich passierten. Ich vermag mir nicht vorzustellen, was einer fühlt, dem die Existenz unter den Füßen wegbricht. Von einem Moment auf den anderen.

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