Franzosen denken immer ans Essen. Mich wundert das nicht. Nirgendwo sonst weckt schon der erste Gedanke am Morgen solchen Appetit. Wenn ein frisches Croissant zum Café au lait duftet, fängt der Tag perfekt an. Gebackener Chèvre chaud und knackiger Salat zum Mittag, wer könnte da schon widerstehen. Mit Vor- und Nachspeise naturellement. Le Apéritif rettet einen über die Zeit bis zum Abendessen: Ein Stückchen Foie gras, s’il vous plaît, ein Glas Champagner, oui merci. Jedes Mal, wenn ich in Frankreich zu Gast bin, genieße ich dieses Leben, probiere möglichst von allem ein bisschen. Die Reihenfolge ist mir dabei ziemlich egal. Als ich bei einem festlichen Buffet wieder einmal die leckersten Häppchen auf meinen Teller stapelte, ward ich deshalb sofort als Allemande identifiziert. “Ist das etwa deutsche Tischkultur, Madame?”, fragte mein französischer Kollege entsetzt und starrte auf meine Auswahl. Hatte ich etwa zu viel aufgeladen? Non, das nicht. Ganz im Gegenteil! Da ich leider kaum hungrig war, beschloss ich, nur einen Gang zu essen und nahm den leckeren Rohmilchkäse – als hors-d’œuvre, wie mein Tischnachbar meinte. C’est inacceptable!
Holzkohlefraktion, 100 Prozent! Grillpolitisch stehe ich auf die kleinen schwarzen Briketts. Eine Alternative? Gibt es nicht, vom Lagerfeuer mal abgesehen, aber das ist eine andere Geschichte. Der verführerisch-rauchige Duft lockt mich selbst dann auf die Terrasse, wenn am Thermometer fast das Quecksilber einfriert. Grillwetter ist immer. Seit jedoch mein Schatz in einen neuen Grill investiert hat, könnte ich gleich ganz draußen übernachten. Der Gute trainiert, als ob er den Titelkampf im Dauergrillen erringen will. Auf den Rost kommt bei meinem Grillweltmeister in spe alles, was feuerfest ist – von der Vorspeise bis zum Dessert. Nicht mal vor Pflaumenkuchen schreckt er zurück. Für mich hat die Sache eine sehr praktische Seite: Zutaten schnipseln, Saucen anrühren – fertig ist meine Küchenarbeit. Anschließend dem Grillheld beim Arbeiten mit einem Glas Wein zuprosten und die Ergebnisse kommentieren. Oder schon mal die Grill-Gänge für das Wochenende ausarbeiten. Mein Vorschlag: Weiterlesen »
Jetzt nur noch das Filet mit Gewürzen einreiben und ab damit in den Kühlschrank. Heute Abend will schließlich keiner lang in der Küche stehen. Kurkuma, Kreuzkümmel … oder war es Koriander? Ich hätte es doch aufschreiben sollen, die Gewürzmischung beim letzten Grillabend war der Hammer. Wo ist bloß das Rezept? Ich frage den Chefkoch im Internet, der weiß es bestimmt. Cayennepfeffer oder doch Chili? In der Rubrik Afrika finde ich schnell das Gewünschte. Bevor ich mir die Zutaten notieren kann, springt mich eine Werbeanzeige an – für ein Mittel gegen Durchfall. Da fällt mir ein: Gutes Fleisch braucht nur etwas Salz und Pfeffer. Ja, so grillen wir das heute.
Als Weintexterin und Journalistin schreibe ich für Winzer, Weinhändler und alle, die guten Geschmack anbieten. Gern auch für Sie. Kontakt: E-Mail Twitter Xing
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